Eldorado für Käfer, Pilze, Fotografen.
Vom „Malerreservat“ zum Urwald Sababurg
Tief berührt von prächtigen Huteeichen, der märchenhaften Sababurg und den halbwilden Pferden des Gestütes Beberbeck hielt Theodor Rocholl (1854-1933) als junger Mann seine Erlebnisse einer Wanderung mit seinem Vater in den Reinhardswald in präzisen und lebendigen Skizzen und Zeichnungen fest. Der Reinhardswald sollte den aus dem Waldeckschen stammenden späteren Maler nie wieder loslassen. Doch bis zu seiner ersten Rückkehr sollten Jahre vergehen. Rocholl arbeitete als Schlachtenmaler in großen Feldzügen. Bis nach China begleitete er etwa 1900 im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. deutsche Truppen als „Kriegsberichterstatter“ mit Stift und Pinsel. Der Soldatentod seines Sohnes im ersten Weltkrieg brachte für Rocholl schließlich die Wende. Schon zuvor hatte er im Reinhardswald Ruhe und Harmonie mit der Natur in dieser so ganz anderen Welt gesucht. 1905 setzte sich Rocholl für den Schutz des einstigen Hutewaldes am „Kuhberg“, unweit der Sababurg, mit seinen mystischen uralten Baumveteranen ein. So ist das älteste Naturschutzgebiet Hessens der Initiative des Malers Theodor Rocholl zu verdanken. Viele seiner stimmungsvollen Bilder entstanden hier. Ein Hauptmotiv Rocholls: die „Sababurger Wilden“. Von ihnen wurde schon 1490 berichtet. 1724 entstand auf dem Schloss Beberbeck ein kurhessisches Land- und Hofgestüt, später eines der preußischen Hauptgestüte. Seit 2018 wächst im Tierpark Sababurg mit Urahnen eine neue Zucht der berühmten Beberbecker Pferde heran.
Das heute als Urwald bezeichnete Areal mit seinen rund 92 Hektar ist genau genommen kein Urwald, vielmehr gewachsene Kulturlandschaft: Ursprünglich war es ein lockerer Weidewald mit Huteeichen und -buchen, durch die intensive, Jahrhunderte währende Waldhute im Reinhardswald bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden. Heute prägen insbesondere der hohe Bestand an Totholz und teils mannshohe beeindruckende Adlerfarnvorkommen den Urwald Sababurg. Sagenumwoben und mystisch wirken umgestürzte, in Teilen abgestorbene jahrhundertealte Baumriesen. Sie sind das eigentliche ökologische Kapital, bieten unzähligen Flechten-, Pilzen- und Insektenarten Lebensraum; darunter allein 450 Käferarten, viele von ihnen gelten in Deutschland als gefährdet.
Früher gern als „Malerreservat“ bezeichnet, zieht der heutige Urwald Sababurg mit seinen knorrigen Riesenbäumen und Baumskeletten Wanderer, Touristen und natürlich Fotografen in seinen Bann. Im heutigen Naturpark Reinhardswald (seit 2017) ist der Urwald eine der ganz großen Attraktionen.
Tipp: Vom Parkplatz Drecktor aus führen gleich drei schöne Pfade – teils über Holzstege, um das empfindliche Gelände zu schützen – als Rundwege durch das mehr als 100 Jahre alte Naturschutzgebiet. Das Stadtmuseum Hofgeismar besitzt circa 650 Originale Theodor Rocholls und betreut sammelnd und forschend sein Lebenswerk.




