Genial gedacht und doch gescheitert
Diese skurril anmutende Pflanzung gibt es tatsächlich nur im Reinhardswald. Fichtenklumpse: eine Eiche oder Buche, rundherum geschützt durch einen Kranz von Fichten, umgeben mit einem Grabensystem. Von Forstinspector Carl Friedrich Mergell stammte diese geniale Idee. Ab 1851 versuchte er mit der Anlage von Fichtenklumpsen den Spagat zwischen Forst- und Hutewirtschaft (Waldweide). Arg mitgenommen präsentierte sich der Reinhardswald auch damals. Zur Weser hin hatten Energieverwerter, wie Köhler, Glasmacher, Pottaschesieder, die Buchenbestände stark strapaziert. Auf den Hochflächen wiederum hatte die jahrhundertealte Dauerbeweidung Wald und Waldböden verändert. Mergells Klumpse standen auf eigens angelegten Pflanzhügeln, um den nassen, verdichteten und sauerstoffarmen Böden (Molkeböden) zu trotzen. Zwischen den Klumpsen sollte weiterhin Vieh weiden. Eine Offerte an die Tradition der Waldweide und zugleich ein Aufforstungsversuch. Doch das Projekt Klumpse sollte scheitern. Zu wenig Licht ließen die schnellwachsenden Fichten ihrem Schützling in der Mitte. Immerhin: Die Fichten wuchsen. Zumindest aus damaliger Sicht für die heruntergewirtschafteten kahlen Huteflächen eine schnelle Lösung. Mittlerweile wissen wir es freilich besser. Bei den heute zu bestaunenden Klumpsen, durch die, nahe der Reinhardswälder Waldstraße, ein geradezu mystisch anmutender ausgewiesener Wanderpfad Richtung Staufenberg führt, handelt es sich um etwa 1961 gepflanzte Nachkommen Mergellscher Fichtenklumpse.

