Reinhardswald

Alles verspielt – und doch gewonnen

Einst soll der Bischof von Paderborn mit dem Grafen Reinhard um dessen Besitztümer gewürfelt haben. Graf Reinhard besaß große Ländereien und war ein leidenschaftlicher Spieler und Trunkenbold. Der Bischof gewann, der Graf verlor sein Land. Da bat er, ihm einen Wunsch zu gewähren: Noch einmal wollte er auf seinen Ländereien säen und ernten. Der Bischof stimmte zu. Doch Graf Reinhard war schlau; so säte er nicht Getreide, er säte Eicheln. Viele Jahre vergingen bis zur Ernte. Vor so viel List musste der Bischof passen. So kam der Reinhardswald zu seinen Namen und seinen mächtigen Eichen.

In Nordhessen erzählt man gerne diese Sage um Entstehung und Namensfindung des Reinhardswaldes. Viele weitere Geschichten sorgten dafür, dass der Reinhardswald als sagenumwoben und märchenumwittert wahrgenommen wird, etwa jene von verirrten Wanderern, denen Elfen den Weg weisen…

So viel zumindest ist sicher: Der Reinhardswald ist mehr als 1000 Jahre alt. 1019 hat Kaiser Heinrich II. den südlichen Teil des heutigen Reinhardswaldes dem Bistum Paderborn geschenkt. Das kaiserliche Schriftstück beinhaltete die Schenkung eines Forstes, nahe bei dem Ort Reinersen, begrenzt durch Fulda und Weser. Die Schenkung an das Bistum Paderborn ist die erste urkundliche Erwähnung des heute größten zusammenhängenden hessischen Waldgebietes. Weitgehend unzerschnitten umfasst es heute mehr als 20.000 Hektar – eine beeindruckende Natur- und Kulturlandschaft oder auch ein „Schatzhaus der europäischen Wälder“, wie Bernd Steiner, Schweizer Schriftsteller, den Reinhardswald so treffend bezeichnet.