Waldweide, Schweinemast und Streunutzung hinterließen Spuren
Der Hutewald als faszinierende Natur- und Kulturlandschaft
Eigentlich braucht es Bezeichnungen wie Kuhberg oder Hammelhute im Reinhardswald gar nicht, um an die jahrhundertelange Nutzung des Waldes auch als Weide fürs Vieh, zur Schweinemast und Streunutzung zu erinnern. Bis Ende des 19. Jahrhunderts trieben Bauern im Sommer mehr als 30 000 Rinder, Pferde und Schafe zur Hute in den Reinhardswald; zigtausende Schweine labten sich, wenn der Herbst kam an Eicheln und Waldfrüchten.
„Unter Eichen wachsen die besten Schinken“
Hermann-Josef Rapp
Weit verbreitet und für frühere Generationen notwendig war die bäuerliche Nutzung des Waldes. Doch nirgendwo anders hat sie ein Waldgebiet wohl so intensiv gestaltet wie im Reinhardswald: Kilometerlange Eichenalleen, uralte Einzeleichen, weiträumige lichte Waldareale, bis zu den skurril anmutenden Fichtenklumpsen – sie alle sind Zeugnisse ihrer Zeit und haben Spuren im Reinhardswald hinterlassen. Was das Ökosystem Wald insgesamt einst an den Rand seines Ruins brachte, gilt heute freilich als Relikt einer ästhetisch ansprechenden Kulturlandschaft, ein Eldorado geradezu für Fotografen und Wanderer. Im gesamten Reinhardswald, insbesondere im Naturschutzgebiet Urwald Sababurg gibt es noch bis zu 600 Jahre alte beeindruckende Exemplare alter Hute-Eichen zu bestaunen. Sie sind die weithin bekanntesten Symbole und charakteristisch für die 1000jährige schützenswerte Natur- und Kulturlandschaft Reinhardswald.